KELLER THEATER WINTERTHUR

 

 

ANNA POLITKOWSKAJA - EINE NICHT UMERZIEHBARE FRAU
VON STEFANO MASSINI

 

Mit Kornelia Lüdorff
Regie: Jennifer Whigham
Bühne: Janine Fischer
Kostüme: Milena Hermes
Dramaturgie: Michael Gmaj

 

«Wenn ich nicht mehr schreibe, haben meine Feinde ihr Ziel erreicht.»

 

ZUM STÜCK
Die amerikanisch-russische Journalistin Anna Politkowskaja war eine der furchtlosesten Reporterinnen und Menschenrechtsaktivistinnen Russlands. Als Kriegsberichterstatterin in Tschetschenien brachte sie durch ihre Reportagen über Verbrechen der russischen Armee, Korruption, Folter und paramilitärische Kriegsführung die russische Regierung gegen sich auf, wurde zur «Nestbeschmutzerin » und «Feindin des russischen Volkes», schliesslich Opfer eines Giftgasanschlags und nach mehreren Morddrohungen im Treppenhaus ihrer Moskauer Wohnung umgebracht – am Geburtstag des russischen Präsidenten Putin. Der Monolog spiegelt Politkowskajas Kampf gegen staatliche Willkür, ihre Zweifel und die Gewissheit, dass «die Propaganda gegen den Staat bestraft wird. Mit dem Tod. Punkt.»

 

Der Autor Stefano Massini, bekannt für sein Stück LEHMAN BROTHERS, AUFSTIEG UND FALL EINER DYNASTIE hat diesen Monolog 2007, kurz nach der Ermordung Politkowskajas verfasst. Es ist ein Text, in dem er tatsächliche Geschehnisse aufgreift, von denen Anna Politkowskaja in ihren Büchern berichtet. Massini erzählt sie aus der Perspektive der Journalistin nach. Sein Text rekonstruiert dabei weniger die Details ihrer Biografie, er spiegelt vielmehr in Schlaglichtern die Gräuel und Ambivalenzen des kriegerischen Konflikts und die Rolle der Journalistin in einem solchen Kontext. Monologische, durchaus poetische Sequenzen wechseln sich mit Dialogen zwischen Reportern sowie Beteiligten und Betroffenen des Kieges ab. Vom Schicksal der russischen Journalistin ausgehend, lädt Massini zu einer generellen Auseinanderstzung mit der Pressefreiheit und den Aufgaben des modernen Journalismus ein. Er erinnert uns daran, dass in Zeiten des Bürgerkriegs in Syrien, der Flüchtlingskrise und diffuser Ängste im Lichte eines Rechtsrucks in Europa die Presse- und Meinungsfreiheit wieder weit gefährdeter ist als noch vor zehn Jahren, zu Lebzeiten Anna Politkowskajas.  
Michael Gmaj

 

DER AUTOR
Stefano Massini, 1975 in Florenz, Italien, geboren ist mittlerweile einer der wichtigsten Stimmen des neuen italienischen Theaters. Der Durchbruch als Dramatiker gelang ihm 2005 mit DER BETÄUBENDE GERUCH DES WEISSEN, wofür er mit dem „Pier Vittorio Tondelli-Preis“ ausgezeichnet wurde. 2007 wurde sein Stück über ANNA POLITKOWSKAJA – eine nicht umerziehbare Frau auf zahlreichen in- und ausländischen Bühnen aufgeführt, verfilmt und auf den 66. Filmfestspielen in Venedig gezeigt. Massini erhielt den „National Critics Award“. Im Dezember 2013 erhielt Massini für sein dramatisches Werk und speziell für LEHMAN BROTHERS den italienischen Theaterpreis Premio Ubu.

 

PRESSE
«Jennifer Whigham folgt mit ihrer Inszenierung einer schlichten, klaren Linie. (...) Ihr geradliniges Regiekonzept (weist) eine zwingende Korrespondenz mit der Persönlichkeit Anna Politkowskajas auf, der Journalistin mit deutlichem Berufsethos und einem bezwingenden Charisma. So stellt die Interpretation dieser Figur eine Herausforderung dar, der sich Kornelia Lüdorff überzeugend gestellt hat: mit dem Mut zu Einfachheit und Zurückhaltung.» Beatrice Eichmann-Leutenegger, NZZ